Vollgas Blasmusik - Josef Menzl im Interview
Quelle Text: Dingolfinger Anzeiger 25.03.2025, Christine Henze
Vollgas Blasmusik
Seit 30 Jahren gibt es die Kapelle Josef Menzl. Die Blasmusiker haben sich hochgearbeitet – vom Biergarten zum Bierzelt. Warum das nicht immer einfach war, erklärt Josef Menzl im Interview
Vom Straubinger Gäubodenvolksfest sind sie nicht mehr wegzudenken: die wilden Arrangements der Kapelle Josef Menzl. Wenn der Zeltboden bebt, das Bier in Strömen fließt und die Leute auf den Bierbänken bis zur Ekstase feiern, sind die Blasmusiker in ihrem Element. Mittendrin: Kapellmeister und Namensgeber Josef Menzl aus Pentling (Landkreis Regensburg). Der 51-Jährige gibt immer Vollgas auf der Bühne – seit 30 Jahren. Wie die Anfänge der Kult-Kapelle waren, wann Menzl vor Auftritten nervös wird und warum es unbedingt Blasmusik sein muss, verrät er im Interview.
Herr Menzl, ein Magazin hat Sie als „Campino der Blasmusik“ bezeichnet – gut oder schlecht?
Josef Menzl: Das ist eine Riesenehre, denn Campino ist für mich einer der größten. Der ist sich immer treu geblieben. Die (Toten Hosen Anm. d. Red.) haben auch ziemlich wild, rau und ungehobelt angefangen. Aber die hatten immer schon eine enorme Energie. Das Magazin hat damit das Wilde bei meinen Auftritten gemeint. Ich war der erste Blasmusiker, der Stagediving gemacht hat. Ich bin rein ins Publikum und die haben mich durch den Saal getragen. Im Gäubodenvolksfest bin ich die Traverse hinaufgestiegen. Das war nicht geplant, aber die Leute waren so drauf, das war unglaublich und dann machst du halt so was. Mit dem Traversensteigen bin ich mittlerweile vorsichtiger geworden, das machen jetzt eh viele. Es geht auch ohne, aber vielleicht mache ich es noch mal, wenn das Gefühl gut ist.
Apropos wild: Was hat es mit dem Gerücht auf sich, dass die Kapelle Josef Menzl 1995 nach einer Schlägerei in Brennberg gegründet wurde?
Menzl: (lacht) Das war damals PR-mäßig gut. Wir haben davor mit einer anderen Gruppe gespielt und an dem Tag haben wir uns getrennt. Wir hatten uns schon am Kragen und es war kurz davor, aber es war keine Schlägerei.
Von der Klarinette über die Gitarre bis zur Tuba: Sie sind ein Multiinstrumentalist. Warum haben Sie sich für die Blasmusik entschieden?
Menzl: Bei der Blasmusik bin ich hängen geblieben, weil mich das bayerische Lebensgefühl fasziniert. Diese bäuerliche Blasmusik – da geht einiges ineinander. Die Tracht beispielsweise, die wir tragen ist kein Metro-Wiesn-Set für 139 Euro, sondern alles ist handgemacht. Bei der Musik ist es auch so: Mir graust es, wenn alles durch Synthesizer Sounds verwässert ist. Wenn ich eine Rockband höre, möchte ich, dass die mit einem Bass, Bassverstärker und Gitarre spielen und nicht alles in die Anlage hineingeben. Da darf auch gerne der Dreck und Sand im Getriebe sein. Das ist mir lieber als das Glattgebügelte.
Wie waren die Anfänge der Kapelle Josef Menzl?
Menzl: Anfangs haben wir keine Bierzelte gespielt. Das hat sich erst nach sieben, acht Jahren ergeben. Wir sind damals im Biergarten, zum Volkstanz, beim Starkbierfest, im Wirtssaal, auf Hochzeiten und Geburtstagen aufgetreten. Der Urknall war 1996 im Regensburger Auerbräu. Der Wirt, Karl-Heinz Mierswa, war Sänger in einer bayerischen Punk-Band und eher kein Blasmusikfan, aber das Bayerische hat er schon gewollt. Es passte auch zu dem urigen Auerbräu. Er hat uns auch angeregt, Titel zu spielen, die ich wohl sonst nie ausgesucht hätte. Das Kufsteinlied beispielsweise. Das war mir viel zu bieder. Aber das war lustig, wie er es gesungen hat, und die Leute haben mitgemacht. Wir haben im Auerbräu unser Ding machen können, denn wir spielen Wirtshaus- und Tanzbodenmusik – erdige, knallharte Klarinetten und scharfe Trompeten. Es muss einfach rocken. Was wir machen, ist Rock ‘n’ Roll und fertig. Die Leute haben sich vorm Auerbräu nachmittags angestellt, wenn wir abends gespielt haben.
Und wann ging es ins Bierzelt?
Menzl: Die Geburtsstunde dafür, dass Blasmusik im Bierzelt salonfähig wurde, war beim Gäubodenvolksfest in Straubing. Ich habe nicht geglaubt, dass das in Bierzelten funktioniert, weil die Leute damals musikalisch etwas anderes gewohnt waren. Überall spielten die Combos aus vier bis fünf Musikern mit E-Bass, Schlagzeug und Gitarre.
Auf dem Gäubodenvolksfest spielen Sie seitdem jedes Jahr, ist das ein Nachhausekommen?
Menzl: Absolut. Das ist immer das Highlight im Jahr, denn wir haben uns dort hochgearbeitet. Das Publikum war immer mit dabei. Als wir das erste Mal dort in einem Bierzelt gespielt haben, sind auch Leute gegangen. Menschen sind Gewohnheitstiere und 1998 war das, was wir gemacht haben, absolut out.
Wir haben im Zelt von Martin Lechner mit der Zwiefachen und Polka angefangen und dann hieß es, weniger Zwiefache und mehr Prosits, damit der Umsatz passt. Zu der Zeit war es überall Brauch, dass tagsüber zum Frühschoppen die Blasorchester im Bierzelt gespielt haben und abends die Partybands. Das kleine Lechner-Zelt war das einzige vom ganzen Volksfest, in dem auch am Abend bayerische Blasmusik gespielt wurde.
Was schätzt das Publikum an Ihrer Musik?
Menzl: Wenn wir beim Gäubodenvolksfest spielen, haben die Leute das Erlebnis, dass wir die Blasmusik interessant machen, die oft als langweilig aufgefasst wird. Die wirklichen Menzl-Fans sind keine Blasmusikfans. Sie hören sich Blasmusik nicht an, aber so wie wir das machen, gefällt es ihnen. Das ist ein super Lob. Es ist auch immer ein gehöriger Schuss Ironie in unseren Darbietungen. Unser Publikum ist vollkommen durchmischt. Beim Auftritt kommen auch junge Leute, die sagen, dass ihre Eltern schon bei uns auf dem Konzert waren. Da merkt man, dass man älter wird (lacht). Die Fans verjüngen sich zwar, aber es bleiben uns auch die alten Fans treu.
Die Kapelle Josef Menzl besteht seit 30 Jahren, haben Sie je damit gerechnet?
Menzl: Ich habe selbst nicht geglaubt, dass es mal so lange währt. Mein Bruder und ich sagen immer scherzhaft: Jetzt gibt es uns seit 30 Jahren und eigentlich wollen wir seit 27 Jahren aufhören. Das ist wie ein Atomkraftwerk, das kann man auch nicht einfach von heute auf morgen ausschalten.
Ist bei Auftritten auch mal etwas schiefgelaufen?
Menzl: Jaja. (Pause) Mitunter sogar hörbar, aber meist merkt es ja keiner oder es ist egal. Bei einem der ersten Auftritte hat die eine Hälfte der Kapelle einen anderen Marsch gespielt als die andere. Das Publikum schaute verdutzt, wir auch, alle lachten und wir haben noch mal richtig von vorne angefangen. Schwamm drüber, wen juckt’s. So war das damals.
Sind Sie heute noch nervös vor Auftritten?
Menzl: Das Gäubodenvolksfest in Straubing zum Beispiel macht mich überhaupt nicht nervös. Dort weiß ich, die Bude ist voll, die Technik stimmt und es passt alles. Ein bisschen nervös waren wir, als wir jetzt zwei Tage lang im Theater in Regensburg waren. Ich habe Stefan Dettl auf der Gitarre begleitet. Dafür haben wir seine Ballade „Berg“ ausgesucht. Das war ein Konzert, man hätte die Stecknadel fallen hören können. Ich spielte das erste Mal in einem solchen Konzert auf der Gitarre, mit der Klarinette bin ich einfach viel sicherer. Bei solchen Konzerten ist man schon ein bisschen angespannt. Es ist Gott sei Dank alles gut gegangen.
Zum Jubiläum wird am 26. und 27. März im Audimax Regensburg groß gefeiert. Was ist geplant?
Menzl: Zum Jubiläum wird auch die Geschichte der Kapelle Josef Menzl erzählt. Ehemalige Wegbegleiter sind eingeladen, aus der ehemaligen Band Slick 50 beispielsweise. Die kommen auch und machen einige Nummern gemeinsam mit mir und Musikern aus meiner Kapelle, die den Bläsersatz stellen. Außerdem spielen wir aus unseren neuen Alben „Menzl zündt’ auf“ und „Hitz’ 2“, die gerade erschienen sind. Nicht nur Guns N’ Roses kann zwei Alben an einem Tag herausbringen, auch wir können das.
Interview: Christine Henze